Fundstück

Lena und die Zauberstadt – Ein rheinischer Kirmesroman

Fundstück des Monats Dezember 2025

Heinrich (eigentlich Heinrich Hermann Bruno Anna Ludwig, genannt Heinz) Rumpff war Drehbuchautor und Verfasser von Unterhaltungsromanen. Er schrieb beispielsweise das Buch „Duell mit Diamanten“ das unter dem Titel „Der blaue Stern des Südens“ unter anderem mit Gustav Knuth im Jahr 1951 von Regisseur Wolfgang Liebeneiner verfilmt wurde. Heinrich Rumpff hatte selbst am Drehbuch mitgearbeitet; außerdem war er Autor von Liebes- und Kriminalromanen. Zu seinen Werken gehörten Titel wie „Ein Mann und hunderttausend Mark“, „Darum war es am Rhein so schön“, „John Gills letzte Stunde“ u. a.. Als Drehbuchautor war er zwar erfolgreich, geriet aber dennoch in Vergessenheit, denn weder die Zusammenarbeit mit dem berühmten Filmemacher Liebeneiner noch Filme wie „Heiratsbüro Fortuna“ (1936), „Das Bummelgenie“ (1937) oder „Barbara, wo bist du?“ (1939) – um nur einige Titel zu nennen - brachten ihm auch nur einen Wikipedia-Eintrag ein. Heute sagt der Name Heinrich Rumpff niemanden mehr etwas… vielleicht mit Ausnahme von Fans der dänischen Schauspielerin Asta Nielsen. Der Weltstar der Stummfilmzeit war nämlich mit Heinrich Rumpff eng befreundet – unzählige Briefe zeugen von der besonderen Verbindung zwischen der Diva und dem erheblich jüngeren Schriftsteller. Die Korrespondenz der beiden wurde unlängst von der Historikerin Barbara Beuys in ihrer Nielsen-Biografie („ Asta Nielsen – Filmgenie und Neue Frau“) verarbeitet.

Nachdem wir im letzten Monat erfahren haben, an welchem Punkt seines Lebens es den am  14. Dezember 1897 in Hannover geborenen Sohn eines hochrangigen Frankfurter Polizeibeamten nach Remscheid verschlagen hat, wollen wir heute die zwischenzeitlich recherchierten Informationen über seinen weiteren Lebensweg präsentieren, und beginnen an der Stelle, an der das Leben seines Vaters viel zu früh endete: Im Jahr 1915.

Der junge Heinz besuchte ab der sechsten Klasse die Städtische Oberrealschule, das heutige Leibniz-Gymnasium. Sein Schulweg war kurz, denn er wohnte in unmittelbarer Nähe der Schule, die sich in der Hindenburgstraße befand (das Gebäude beherbergt heute das Gertrud-Bäumer-Gymnasium). Unserem extrem guten Draht zum Leibniz-Gymnasium und seinem engagierten Direktor Dr. Giebisch ist es zu verdanken, dass wir heute sogar ein Schulzeugnis von Heinrich Rumpff aus dem Jahr 1913 präsentieren können. Es handelt sich um das „Zeugnis über die wissenschaftliche Befähigung für den einjährig-freiwilligen Dienst“, ein Dokument, das ihm die Möglichkeit eröffnete, sofern er sich nach Abschluss der mittleren Reife freiwillig zum Militärdienst meldete, seine Militärdienstzeit zu verkürzen. Nachdem man damals nämlich das Militär-Jahr beendet hatte, wurde man als Reserveoffizier eingestuft; das war eine Position mit hohem gesellschaftlichem Ansehen, zudem erhöhte der einjährige Freiwilligendienst in Kombination mit dem Schulabschluss auch die beruflichen Aussichten für diejenigen, die es auf eine Beamtenlaufbahn abgesehen hatten. (Nach dem Ende des Deutschen Kaiserreichs im Jahr 1918 wurde der Militärdienst der Einjährig-Freiwilligen abgeschafft. Der Begriff "Einjähriges" war jedoch bereits in den zivilen Sprachgebrauch übergegangen und wurde nun als Synonym für die mittlere Reife weiterverwendet, woran sich die älteren unter uns sicher noch gut erinnern.)

 

Offenbar hatte Heinrich Rumpff aber nicht vor, nach der mittleren Reife zum Militär zu gehen. Der erste Weltkrieg brach aus, und er besuchte weiter die Schule. Sein Vater starb im April 1915, und trotz dieses Verlustes, der ihn zum Vollwaisen machte, bereitete er sich auf das Abitur vor. Leider konnte das Abiturzeugnis im Archiv des Leibniz-Gymnasiums noch nicht gefunden werden, aber dass Heinrich Rumpff Abitur machte, steht außer Frage, denn er schrieb sich am 23. Oktober 1916 an der Universität in Bonn für das Fach Jura ein – offenbar wollte er Jurist werden wie Vater und Großvater. Aus Gründen, die sich nicht auf den ersten Blick erschließen, scheint die Juristerei einen hervorragenden Nährboden für dichterische Schaffenskraft zu bilden – die Liste berühmter Schriftsteller, die eigentlich Juristen waren, ist sehr, sehr lang und sie reicht, um nur einige Namen zu nennen, von Goethe und Novalis über E.T.A. Hoffmann, Heinrich Heine, Theodor Storm, Robert Louis Stevenson bis hin zu Franz Kafka und Kurt Tucholski. Sie setzt sich bis in die literarische Gegenwart fort, denkt man an die Werke von Ferdinand von Schirach und Julie Zeh.

Bis Kriegsende studierte Rumpff also Jura in Bonn, wohnte während dieser Zeit aber in Köln; seine Adresse lautete Lindenstraße 80. Doch beendet hat er sein Studium zumindest in Bonn nicht - im Amtlichen Personal-Verzeichnis der Universität taucht er zum Sommersemester 1919 nicht mehr auf. Das deckt sich übrigens mit den Meldedaten: Ende September 1918 kehrte Heinrich Rumpff nach Hause zurück, blieb einen Monat während der Semsterferien und meldete sich dann nach München ab. Höchstwahrscheinlich studierte er dort weiter, aber Genaueres konnte bislang noch nicht in Erfahrung gebracht werden. Klar ist: Rumpff kehrte im Frühjahr 1920 nach Remscheid zurück und blieb weitere drei Jahre, bis er am 19. Mai 1923 seiner Heimatstadt endgültig den Rücken kehrte und nach München zog. Die Meldekarte gibt zuletzt „Redakteur“ als Berufsbezeichnung an – er hatte die Juristerei an den Nagel gehängt und arbeitete in München (zunächst?) beim Georg Müller Verlag, wo er die unterschiedlichsten Buchhandlungen im Auftrag des Verlags besuchte und das Verlagssortiment vorstellte.

Wir begegnen dem Schriftsteller Heinz Rumpff das erste Mal 1928, in dem Jahr nämlich erschien sein Kriminalroman „Ein Mann und hunderttausend Mark“, der ein Bestseller wurde. In den 1930er Jahren erschienen seine Texte häufig in Form von als „Bericht“ getarnten Kurzgeschichten in Tageszeitungen, doch neben der üblichen Unterhaltungslektüre finden sich darunter auch nationalistisch gefärbte „Erzählungen“ aus dem Ersten Weltkrieg - an dem Rumpff allem Anschein nach gar nicht teilgenommen hat. Texte, die den Heldenmut der Frontsoldaten hervorheben und überhaupt sehr vaterländisch daherkommen – und mit denen der Autor bei den neuen braunen Machthabern gewiss nicht angeeckt sein dürfte. Der 1942 erschienene Roman „Lena und die Zauberstadt“ allerdings gehört nicht in diese Kategorie. Es ist ein ganz und gar unpolitischer Roman, in einer Zeit geschrieben, in der es einfach keine unpolitische Haltung geben konnte. Wo Heinrich Rumpff also politisch stand, lässt sich zwar erahnen, aber genau wissen können wir es mangels Belegen nicht. 

Vieles im Leben des Autors liegt im Dunkeln, da es keine leicht zugänglichen Quellen dazu gibt. Dem Hinweis folgend, dass Rumpff bis Anfang der 1950er Jahre für beinahe 25 Jahre in Zeuthen gelebt haben soll, richteten wir eine Anfrage an das zuständige Kreisarchiv Dahme-Spreewald – und prompt schickte der überaus hilfsbereite Kollege zwei Meldekarten zurück, wodurch wir nun in der Lage sind, der Lebensgeschichte von Heinrich Rumpff ein gutes Stück weiter zu folgen.

Der Schriftsteller hatte ja Remscheid Richtung München verlassen, wo er mutmaßlich seine spätere Ehefrau, die am 18. Januar 1894 in Barmen (heute Wuppertal-Barmen) geborene Witwe Mathilde (genannt Tilla) Berta Kümpel geb. Ibach kennenlernte, eine Tochter des bekannten Barmer Pianoforte-Fabrikanten Oskar Ibach. Vielleicht kannten sich die beiden schon aus der Bergischen Heimat, sicher ist das aber nicht. Was wir dagegen sicher wissen: Rumpffs Ehefrau brachte ein Kind aus erster Ehe mit, die im März 1926 in München geborene Tochter Mathilde (genannt Tilly). Recht schnell nach dem Tod des ersten Ehemannes müssen sich der Remscheider und die Wuppertalerin gefunden haben, denn schon im Sommer 1928 kam ihre gemeinsame Tochter Kornelia zur Welt – und zwar in Kiel. Sein Lebensweg führte das Paar also von München über Kiel nach Berlin und nach vermutlich weiteren Stationen schließlich am 29. März 1929 ins kleine Dorf Miersdorf, das damals zum Landkreis Teltow gehörte und heute ein Ortsteil der am Stadtrand von Berlin gelegenen Gemeinde Zeuthen ist. Vermutlich sollten die beiden Mädchen nicht in der Hauptstadt aufwachsen, und die Familie wählte darum die Abgeschiedenheit des Dorflebens; sie lebte zwanzig Jahre lang im idyllischen Spreewald - bis die jüngste Tochter aus dem Haus war. In diese Zeit fiel Heinrich Rumpffs kreativste Lebensphase, er schrieb Kurzgeschichten, Romane und Drehbücher, während die Nationalsozialisten begannen, überall im Reich unliebsame Bevölkerungselemente wegzumorden, und die Deutschen sich begeistert oder gezwungenermaßen deren schändlicher Ideologie anschlossen oder anpassen mussten. Dann brach der Zweite Weltkrieg aus, und wir wissen nicht, wie Heinrich Rumpff diese Zeit erlebt hat. Den Endkampf um das nahegelegene Berlin, den Einmarsch der Roten Armee und den Untergang des "Dritten Reichs" erlebte Rumpff jedenfalls in Zeuthen, und er floh auch nicht zurück in den Westen, sondern blieb in dem nun von den Sowjets besetzten Gebiet bis lange nach Kriegsende. Erst Ende Mai 1949 verließ er den Ort, an dem er mit Frau und Kindern so lange gelebt hatte, und zog erst einmal auf die Insel Hiddensee.

Und spätestens jetzt ist es an der Zeit, Asta Nielsen ins Spiel zu bringen, deren Name vielen ein Begriff sein dürfte, denn die am 11. September 1881 in Kopenhagen geborene Stummfilmdiva war vielleicht der erste weibliche Filmstar überhaupt. Ein Millionenpublikum lag ihr zu Füßen – so auch der junge Remscheider Heinrich Rumpff, der sich allem Anschein nach in die weltweit gefeierte und beeindruckend schöne Schauspielerin verliebt hatte. Vielleicht war es die berühmte Tanzszene aus ihrem Film „Afgrunden“ (Abgründe) aus dem Jahr 1910, mit der sie dem angehenden Schriftsteller den Kopf verdreht hatte? Wir wissen es nicht. Doch überliefert ist, dass Heinrich Rumpff am 31. Oktober 1920, gerade frisch in München angekommen, Asta Nielsen einen Brief schrieb – Fanpost, würde man heute sagen. Dem Brief legte er ein selbstverfasstes Gedicht bei, das die ganze schwärmerische Verehrung des jungen Mannes für die Diva enthielt. Er schrieb: „…Ihre Augen sind Fragen - / geheimnisvoll wie ein See / aus uralten Wundersagen. / Ihre Hände sind Königinnen / die tagsüber silberne Seide spinnen.“ Unterschrieben hat er den Brief mit „in tiefster Ergebenheit der kleine Student aus München Franz Ludwig Rumpff“.

 

Asta Nielsen antwortete zwar nicht, bewahrte den Brief aber auf; er befindet sich heute im Asta-Nielsen-Archiv der Universitätsbibliothek Lund. Fünf Jahre später meldete sich Heinrich Rumpff erneut bei Asta Nielsen. Offenbar hatte er ihr ein Buch geschickt, denn die Diva antwortete am 27. November 1925 darauf und bedankte sich „für das wundervolle Buch“. Aus diesem Kontakt entwickelte sich dann eine Freundschaft zwischen den beiden, die viele Jahrzehnte bestehen sollte und die in der Biografie der Schauspielerin und auch in ihrem Nachlass nicht wenig Raum einnimmt, wie die Historikerin Barbara Beuys in ihrem bereits erwähnten Buch feststellt. Die vielen überlieferten Briefe zwischen Rumpff und Nielsen wurden durch die Biografin ausgewertet und in Auszügen wiedergegeben. Sie berichtet auch, dass Rumpff und seine Familie (er hatte ja zwischenzeitlich geheiratet) spätestens 1928 zu Asta Nielsens engstem Freundeskreis gehörten – genau wie Joachim Ringelnatz übrigens. Als solche waren sie natürlich auch zu Gast in Asta Nielsens Haus auf der Insel Hiddensee. Auch künstlerisch gingen Asta Nielsen und Heinrich Rumpff zeitweite gemeinsame Wege: Der Schriftsteller schrieb der Diva den Einakter „Angst“ nachgerade auf den Leib; das Stück füllte Berlins größtes Varietétheater rund sechzig Mal – ein großer Erfolg. Dass Asta Nielsen auch die Rumpffs zu Hause besuchte, belegt ein Gedicht, das der Schriftsteller „An Asta“ betitelte und das lautet:

 

In einer Ortschaft namens Zeuthen

erscheint so alle Jubeljahr

bei armen kleinen Schreibersleuten

ein Wesen, schön und wunderbar.

In Zeuthen war sie nicht geboren,

man wusste kaum, woher sie kam,

und schnell war ihre Spur verloren,

sobald sie plötzlich Abschied nahm.

Sie brachte Weine mit und Sekte,

…sowie was sonst noch herrlich schmeckte

(Man wurde dran drei Tag‘ nicht satt!)

doch war es nicht allein der Magen,

dem ihre Gegenwart tat wohl –

sie ließ die Herzen höher schlagen

auch ohne Fleisch und Alkohol!

…Doch ward auch oft sie heiß umschlungen –

nichts gab es, was sie länger hielt!

…Zurück blieb nur die Freundschaftskerze,

vom echten Bienenwachs genährt,

doch überstrahlt vom Glanz der Hoffnung,

dass sie bald einmal wiederkehrt.

 

Auch Heinrich George gehörte zu diesem Freundeskreis, und im Juli 1943, als Asta Nielsen schon längst wieder in Dänemark lebte, schrieb die nunmehr 62-Jährige in einem ihrer Briefe an Heinrich Rumpff und seine Frau Tilla: „…es ist mir jetzt so, als wenn Heinrich und ihr meine einzigen Freunde sind…“. Es war einsam geworden um den gefeierten Star. Kurz nach diesen Zeilen erhielt Heinrich Rumpff weniger schöne Post: Seinen Einberufungsbefehl. Doch müssen wir uns um den Dichter keine Sorgen machen; er war als Sanitäter im Kriegseinsatz und kehrte unversehrt und mit ungebrochener Arbeitsfreude an den Schreibtisch zurück.

Der Krieg ging zu Ende und mit ihm die unselige Zeit der Naziherrschaft.  Die Alliierten machten es sich zur Aufgabe, die deutsche Gesellschaft von Nationalsozialisten zu säubern. Menschen, die im öffentlichen Leben eine Rolle gespielt hatten, vor allem auf den Gebieten Presse, Kultur, Justiz und Politik, mussten sich einem Entnazifizierungsverfahren unterwerfen, an dessen Ende bei politisch Belasteten ein Berufsverbot stehen konnte oder auch die Einziehung von Vermögen. Nun gereichte es Heinrich Rumpff zum Nachteil, dass er die ganze NS-Zeit hindurch seinen Beruf ausüben konnte und nicht emigriert war. Man warf ihm „politische Neigung zum Dritten Reich“ vor – ein Vorwurf, der richtig sein kann oder falsch. Oder mit den Worten von Barbara Beuys ausgedrückt: „Heinrich Rumpff war kein Mitglied der NSDAP, aber er ist als Schriftsteller erfolgreicher  Unterhaltungsromane zwischen 1933 und 1945 mitgeschwommen im Strom der Angepassten.“ Glücklicherweise war da seine Freundin Asta Nielsen, die - da zur rechten Zeit nach Dänemark zurückgekehrt - als Nazigegnerin galt und in der Lage war, ihrem alten Weggefährten ein gutes Leumundszeugnis auszustellen.  Daraufhin wurde er als unbelastet eingestuft und konnte bruchlos seine Karriere als Schriftsteller, Journalist und Drehbuchautor fortsetzen.

Ein glücklicher Zufall wollte es, dass sich im Zuge der Recherchen ein Kontakt ergeben hat, der uns ganz direkt in Verbindung mit Heinrich Rumpffs Familie brachte: Seine Enkeltochter Simone. Diesem netten Kontakt mit der ausgesprochen sympathischen Diplom-Soziologin und ihrem Bruder Stefan haben wir es zu verdanken, dass nun auch der Rest der Geschichte erzählt werden kann. Und diese Geschichte führt vom hohen Norden weg ins nicht weniger idyllische Werdenfelser Land und dort in die kleine Gemeinde Wallgau, wo Heinrich Rumpff Mitte der 1950er Jahre ein Anwesen kaufte. Und wie es dazu kam, erzählen die Enkel so: „Einer seiner Romane, ‚Der blaue Stern des Südens‘ wurde 1951 recht erfolgreich verfilmt. Damals lebte er mit Familie noch in Zeuthen bei Berlin und so wollte man ihm sein Honorar in Ostmark auszahlen. Mein kluger Großvater jedoch fuhr in den damaligen Westen und ließ sich sein Honorar in Westmark auszahlen (war damals viel mehr wert) und konnte so das Haus in Wallgau, wo er bis zu seinem Tod lebte, erwerben“.  

Und wie ging es weiter mit Heinz Rumpff? In den 1960er Jahren arbeitete er in Hamburg als Romanchef für die Zeitschrift "Hör Zu", wie die Familie berichtet. In Hamburg lebte übrigens seine Schwester Margarete seit ihrem Fortzug aus Remscheid 1929. Das Erscheinen seines großen Fortsetzungsromans "Gestern ist nie vorbei" in der Zeitschrift Stern fiel ebenfalls in diese Zeit; außerdem veröffentlichte er Detektivgeschichten und den 1976 erschienen Roman „Darum war es am Rhein so schön“, in dem er seine Studienjahre in Bonn literarisch verarbeitete. Nebenbei schrieb er auch für die örtliche Presse in Wallgau, wo er spätestens ab 1965 dauerhaft lebte. (Das Haus ist übrigens bis heute in Familienbesitz und wird als Frühstückspension geführt.)

Zu Jahresbeginn 1977 starb seine Frau Tilla, die Gefährtin seines ganzes Lebens. Doch so schwer der Verlust für den Witwer auch gewesen sein muss – er verlor die Lust am Leben nicht. Er unternahm viele Reisen, die ihn auch mehrfach nach Ägypten führten (nachdem er Ende Dezember 1979 auf persönliche Einladung von Präsident Sadat nach Ägypten eingeladen und von einem Fahrer in Kairo am Flughafen abgeholt worden war, der ihn als VIP drei Wochen durch das Land kutschierte  - natürlich alles auf Kosten des Staates Ägypten!). Heinrich Rumpff hatte übrigens bis zuletzt keinen Führerschein und reiste am liebsten mit der Eisenbahn.

Viel Anekdotisches ließe sich ergänzen zur Charakterisierung dieses großartigen Mannes, der von seinen Enkeln als ausgesprochen liebevoll geschildert wird, als ein Mann („unser Opi“), der stets zu Späßen aufgelegt war, dabei neugierig, kontaktfreudig und klug. Heinrich Rumpff war – anders als seinen Eltern und Großeltern vor ihm – ein langes Leben beschieden: Er starb im hohen Alter von 92 Jahren am 9. Februar 1990 in Wallgau, betrauert von zahlreichen Nachkommen, die alle im weiteren oder engeren Sinne künstlerisch tätig oder in der Welt der Medien zu Hause waren und sind. Sein Enkel Stefan, ein bekannter Maler, schrieb uns zuletzt: „Obwohl er in München, Berlin, Hamburg und Bayern gelebt hat, war er doch in seinen Erzählungen - jedenfalls mir als Enkel gegenüber - immer seiner Kindheit im Bergischen Land stark verbunden“.

 

Mit diesen Worten lassen wir den Rückblick auf Heinrichs Rumpffs langes Leben und auch das Jahr 2025 enden. Wie in jedem Jahr wünschen wir allen Freundinnen und Freunden des Remscheider Stadtarchivs ein fröhliches, gemütliches, besinnliches Weihnachtsfest und hoffen auf ein friedlicheres Jahr 2026!

 

Verfasst von Viola Meike 

 

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