© Stadtarchiv Remscheid

Fundstück

Schlagt zu fürs Vaterland!

Fundstück des Monats Juli 2021

Fundstück des Monats Juli 2021
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Fundstück des Monats Juli 2021
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Das Fundstück des Monats ist diesmal ein echter Dachbodenfund, ein Reservistenbild, das den Remscheider Fabrikanten Walter Platte an seine Dienstzeit von 1905 bis 1907 erinnern sollte. Es befand sich über viele Jahrzehnte auf dem Dachboden des Hauses Kratzberger Str. 96.

Reservistenbilder sind bildliche Darstellungen, die als Andenken an die Zeit des Militärdienstes angefertigt wurden. Der Vers „Es lebe hoch das Regiment, das sich mit Stolz ‚die Hacketäuer‘ nennt!“ ziert das Bild im Vordergrund und verweist auf das Infanterie-Regiment „Freiherr von Sparr“ (3. Westfälisches) Nr. 16. Dabei handelte es sich um einen Infanterieverband der Preußischen Armee, der 1813 als 4. Reserve-Regiment aus den Musketier-Reserve-Bataillonen des 3. Ostpreußischen Infanterie-Regiments gebildet worden war. Während der Schlacht bei Großbeeren hatten seinerzeit aufgrund anhaltend schwerer Regenfälle die Gewehre der Soldaten versagt. So waren sie im Nahkampf gezwungen gewesen, den Gewehrkolben einzusetzen. Hierbei riefen sie „HACKE TAU …“ („Schlag zu!“) „… es geit fort Vaterland“. Als Folge dessen erhielten die Angehörigen des Regiments den Beinamen „Hacketäuer“.

Sieben Jahre nach Ende seiner Dienstzeit brach der Erste Weltkrieg aus, und der Reservist Walter Platte zog als Teil des II. Bataillons des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 57 in den Krieg. Am 6. August 1914 trafen die Mannschaften in Lennep ein, am 9. August, so ein Berichterstatter, „kamen Remscheider Damen mit einem Sonderzug an und verteilten Liebesgaben“. In der Nacht vom 10. Zum 11. August wurde das Bataillon verladen und zunächst über viele Zwischenstationen nach Belgien transportiert.

Am Ende des Krieges waren Hunderte Angehörige des Reserve-Infanterie-Regiments 57 tot – gefallen auf den Schlachtfeldern der Westfront oder jämmerlich krepiert an Verwundungen und Krankheiten. Zu den Glücklichen, die Front und Krieg überlebten, gehörte auch der Gefreite Walter Platte. Für „Tapferkeit vor dem Feinde“ wurde er mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. 

Zur Person: Eugen Ewald Walter Platte wurde am 7. Mai 1885 in der Ehe des Kleinschmieds Gustav Platte und seiner Ehefrau Emilie Sophie Frohn zu Stursberg geboren. Er ehelicht am 13. April 1914 das aus Lüttringhausen stammende Dienstmädchen Emma Agel. Das Paar bekommt einen Sohn.

Walter Platte war Mitinhaber des Stahl-Hammerwerks Beitzel & Platte in Remscheid-Hasten. Walter Platte und Richard Beitzel kauften 1913 das Stahlhammerwerk (ehemaliger Halbach-Hammer) am Platz von Gustav Ferdinand Böker. Die Firma fertigte Baustähle, Edelstähle, Maschinenbau-Sonderstähle, Werkzeugstähle und Schmiedestücke. Mehr als 50 Jahre arbeitete er für diese Firma. Als Walter Platte am 5. Dezember 1954 starb, nahm die gesamte Belegschaft regen Anteil.

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