Fundstück

Die Geschichte des Lenneper Freibades

Fundstück des Monats Juli 2026

Das Fundstück des Monats Juli 2026 ist eine Postkarte, die das ehemalige Lenneper Freibad im Jahr 1939 zeigt und eine der letzten existierenden Aufnahmen sein dürfte. Das im Jahr 1943 teilzerstörte Bad wurde anschließend nicht wiederaufgebaut.

Aber gehen wir einige Jahrzehnte zurück zu den Anfängen der Lenneper Schwimm- und Badeanstalt:  

Am Abend des 15. September 1871 fanden sich in der Lenneper Gaststätte „König von Preußen“ einige wohlsituierte Lenneper Herren zusammen, um über die Gründung einer Badeanstalt zu beschließen.
Die Kosten für die Errichtung sollten durch Aktien-Zeichnung gedeckt werden. Die Idee, die auf einen Vorschlag des Lehrers Carl Meunier zurückzuführen ist, fand regen Anklang, sodass die Herrschaften noch am selben Abend die „sofortige Inangriffnahme“ des Projektes beschlossen. Zu den Aktionären der Anstalt gehörte beinahe jeder, der in Lennep Rang und Namen hatte.

Bereits ein Jahr nach dem Beschluss, ein solches Bad zu errichten, konnte die Anstalt am 24.6.1872 dem Publikum übergeben werden. 

Der großzügige Schwimmteich war in 2 Bereiche unterteilt: die größere und tiefere Hälfte ist von dem für Nichtschwimmer geeigneten Bereich durch einen Zaun getrennt. Das Häuschen am Rande des Teiches beherbergte die Wohnung des Schwimmmeisters, bei dem man sowohl einen Imbiss als auch ein gutes Glas Bier erhalten konnte. Das Wasser selbst kam aus naheliegenden Quellen und wurde durch die Udelsche Beek in den Teich gespeist.

Und obwohl das neue Freibad auch in der Bevölkerung auf großen Anklang gestoßen war, verzeichnete die Anstalt bereits nach der ersten Saison ein Defizit von 141,24 Thalern, was zu Diskussionen unter den Aktionären über die weiteren Maßnahmen führte und bereits zu Beginn des Jahres 1873 die Idee gefasst wurde, die Anstalt zu einer städtischen Einrichtung zu machen und nicht als Aktiengesellschafft fortzuführen.

Trotz der wirtschaftlich gesehen offenbar nicht lukrativen Anstalt erkannten die Stadtoberhäupter, dass der Fortbestand des Freibades aus sozialen, hygienischen und sportlichen Aspekten ein wichtiger Baustein der kommunalen Daseinsfürsorge war.

Denn Freibäder waren im 19. Jahrhundert weit mehr als reine Freizeitorte. Sie waren Treffpunkt für Menschen aller sozialen Schichten. Schwimmen wurde darüber hinaus als lebenswichtige Fähigkeit und gesundheitsfördernde Sportart vermittelt. Sie dienten also nicht nur der Erholung, sondern auch dem Schwimmunterricht, dem Vereinssport und der Förderung der körperlichen Fitness.

Bis weit in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts verfügten viele Haushalte außerdem über kein eigenes Badezimmer. Öffentliche Badeanstalten waren also für viele Menschen die einzige Möglichkeit zur regelmäßigen Körperpflege und wurden von Städten als wichtiger Bestandteil der öffentlichen Gesundheit erkannt und gezielt gefördert.  So auch in Lennep: mit Beschluss der Stadtverordneten-Versammlung vom 16.12.1873 übernahm die Stadt die Schwimm- und Badeanstalt mit einem inzwischen angewachsenen Defizit von ca. 700 Thalern. Die Aktionäre verzichteten zugunsten der Stadt auf die Rückzahlung ihrer Aktien.

 

70 Jahre lang war das Lenneper Freibad, welches im Volksmund meist als „Kakaoteich“ bezeichnet wurde, ein Treffpunkt für Erholung, Begegnung, Sport und gemeinschaftliche Freizeit. Als 1943 Bomben das Bad teilweise zerstörten, bedeutete das das Ende dieser einst so idyllischen Anlage.

 

Verfasst von Sarah Baldy 

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